Ein Korb voller gleicher Äpfel auf einem Marktstand, eine Hand nimmt irgendeinen heraus, daneben ein einzelner Apfel auf einem Teller – einen oder einem: der unbestimmte Artikel im Dativ und Akkusativ.

Einen oder einem – drei Sätze, drei Endungen, und alle drei sind alte Bekannte:
Oma kauft einen Hut für den Regen und trägt ihn jeden Tag.
Wir wohnen bei einem Lehrer, und er singt jeden Morgen für uns.
Ich helfe einer Nachbarin, und sie hilft mir mit Kuchen.

Wenn du jetzt denkst: -en, -em, -er – das sind doch die Endungen von den, dem, der, dann hast du die ganze Sache schon verstanden. Ein hat keine eigene Grammatik. Es leiht sich seine Endungen bei der.

Kurz gesagt: Der unbestimmte Artikel ein nimmt im Dativ und im Akkusativ dieselben Endungen wie der bestimmte Artikel: einen wie den, einem wie dem, einer wie der, eine wie die. Nur an zwei Stellen bleibt ein ohne Endung: beim Mann im Nominativ (ein Hut) und beim sächlichen Wort im Nominativ und Akkusativ (ein Eis). Welcher Fall dran ist, sagt das Verb oder die Präposition – kaufen will den Akkusativ, helfen und bei wollen den Dativ.

Einen oder einem: was ein von der unterscheidet

Zwei Dinge, und nur zwei. Erstens die Bedeutung: der Hut ist ein bestimmter Hut, den du schon kennst; ein Hut ist irgendeiner, einer von vielen, oder ein neuer im Gespräch. Zweitens die Form: der trägt seine Endung immer, ein zieht sie erst an, wenn der Fall es verlangt.

männlich weiblich sächlich Plural
Nominativ ein Hut eine Pause ein Eis – Fragen
Akkusativ (wen?) einen Hut eine Pause ein Eis – Fragen
Dativ (wem?) einem Lehrer einer Nachbarin einem Kind – Kindern

Vergleich die fetten Formen mit den, dem, der, dem: Es sind dieselben Endungen, nur mit ein davor. Und der Plural? Ein hat keinen – ein Kind, Kinder. Der leere Platz wird erst voll, wenn kein kommt: keine Fragen, keinen Kindern. Kein ist ein mit k – und mit Plural. Darum steht in der Tabelle keine Fragen dort, wo ein nichts hat.

Wie sich der, die, das selbst verändern, steht in Wem oder wen – die zwei Fragen, die den Artikel wählen. Hier geht es nur um das Kleid, das ein sich dort ausleiht.

Einen oder einem: woher weiß ich den Fall?

Nicht von ein – ein weiß es selbst nicht. Der Fall kommt von dem Wort, das ein ruft:

  1. Das Verb. Kaufen, suchen, brauchen, haben → Akkusativ (wen oder was?). Helfen, danken, gehören, gefallen → Dativ (wem?).
  2. Die Präposition. Für, ohne, um, durch, gegen → Akkusativ. Bei, mit, nach, von, zu, aus → Dativ.

Dann erst schaust du auf das Nomen: männlich, weiblich, sächlich? Ich brauche keinen Wecker – brauchen → Akkusativ, Wecker → männlich → keinen. Nach einem Eis am See ist die Welt wieder in Ordnung – nach → Dativ, Eis → sächlich → einem. Zwei Blicke, fertig.

Der Merksatz

Ein zieht sich an wie der: einen wie den, einem wie dem, einer wie der. Nur ein Mann und ein Kind bleiben nackt.

Das passt auf einen Zettel neben den Possessivartikel, denn mein, dein, sein tragen genau dasselbe Kleid.

Beispiele mit einen oder einem, die hängen bleiben

  • Mein Bruder sucht ein Fahrrad für seine sehr langen Beine. (suchen → Akkusativ, sächlich – nackt)
  • Ohne einen Kaffee sagt Mama morgens nur Ja und Nein. (ohne → Akkusativ, männlich)
  • Für eine Pause ist immer Zeit, sagt Papa und macht drei. (für → Akkusativ, weiblich)
  • Die Milch kommt aus einer Flasche, sagt mein kleiner Sohn ganz sicher. (aus → Dativ, weiblich)
  • Der Schirm gehört einem Mann im Café, aber es regnet nicht mehr. (gehören → Dativ, männlich)
  • Mit einem Kind im Haus ist der Sonntag nie langweilig. (mit → Dativ, sächlich)
  • Ich habe heute keine Fragen mehr, nur noch Hunger. (haben → Akkusativ, Plural – nur kein kann das)
  • Mit keinen Kindern spielt Opa so gern wie mit uns. (mit → Dativ, Plural)

Übungen: einen oder einem?

Setz ein oder kein in der richtigen Form ein. Erst der Fall, dann das Nomen. Die Lösungen stehen darunter.

  1. Wir kaufen ___ Geschenk für Papa, aber er hat schon alles. (ein)
  2. Sie dankt ___ Frau im Bus für den Platz und das Lächeln. (ein)
  3. Wir sitzen um ___ Tisch, und die Katze liegt in der Mitte. (ein)
  4. Das Lied gefällt ___ Gast, aber Opa singt es noch einmal. (kein)
  5. Ich lerne Tanzen von ___ Freund im Park, er ist achtzig. (ein)

Lösungen: 1. ein (kaufen → Akkusativ, Geschenk sächlich – keine Endung) · 2. einer (danken → Dativ, weiblich) · 3. einen (um → Akkusativ, männlich) · 4. keinem (gefallen → Dativ, männlich) · 5. einem (von → Dativ, männlich)

Häufige Fragen zu einen oder einem

Wann sagst du einen und wann einem?

Einen ist Akkusativ männlich, wie den: Oma kauft einen Hut. Dagegen steht einem im Dativ, männlich oder sächlich, wie dem: Wir wohnen bei einem Lehrer.

Woher weißt du, ob Dativ oder Akkusativ kommt?

Nicht von ein, sondern vom Verb oder von der Präposition. Kaufen und für wollen den Akkusativ, helfen und bei den Dativ. Danach schaust du auf das Nomen: männlich, weiblich oder sächlich?

Warum heißt es ein Kind und nicht einen Kind?

Sächliche Wörter bleiben im Nominativ und im Akkusativ ohne Endung: ein Kind, ein Eis. Das Gleiche gilt für männliche Wörter im Nominativ: ein Hut. Erst im Dativ bekommt das sächliche ein seine Endung: mit einem Kind.

Wer den ganzen Weg von ein durch alle vier Fälle noch einmal lesen möchte: Dativ und Akkusativ – Unbestimmter Artikel einfach erklärt. Und damit es sitzt: Auf unserem Telegram-Kanal Trau-Dich-Deutsch läuft jeden Tag eine kleine Frage – ein Satz, eine Lücke, drei Sekunden.

Komm dazu

Der Workshop findet jeden Samstag um 9:00 Uhr online statt – kostenlos, interaktiv, und mit genau dieser Art von Fragen. Kein Frontalunterricht: Die Regel kommt immer erst, wenn die Teilnehmer sie selbst gefunden haben.

Bis bald – und trau dich, Deutsch zu sprechen!

von Dieter Jeromin

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