Ein Päckchen wird über den Tisch gereicht, daneben ein Apfel mit Zielring – wem oder wen: Empfänger und Ziel.

Wem oder wen – zwei Fragen, und jeder Artikel in diesen Sätzen hat eine davon beantwortet:
Ich sehe den Hund, aber der Hund sieht nur den Kuchen.
Wir helfen dem Opa mit dem Handy, aber er ist schneller als wir.
Ich danke der Lehrerin für die Schokolade, nicht für die Hausaufgaben.

Dreimal ein bestimmter Artikel, dreimal eine andere Form – und doch steckt dahinter nur ein Gedanke: Trifft die Handlung jemanden, oder empfängt jemand etwas?

Kurz gesagt: Der Akkusativ ist das, was die Handlung trifft – du prüfst ihn mit wen oder was?. Der Dativ ist der, der etwas bekommt oder für den etwas geschieht – du prüfst ihn mit wem?. Beim bestimmten Artikel heißt das: Akkusativ ändert nur der → den; Dativ ändert alle: der → dem, die → der, das → dem, und der Plural wird zu den und hängt ans Nomen ein -n.

Wem oder wen: Welche zwei Fragen stellst du an jeden Satz?

Stell nach dem Verb eine Frage. Kommt die Antwort auf wen oder was?, hast du einen Akkusativ. Kommt sie auf wem?, hast du einen Dativ.

Ich sehe wen? → den Hund. Akkusativ.
Wir helfen wem? → dem Opa. Dativ.
Ich danke wem? → der Lehrerin. Dativ.

Manche Verben wollen immer den Dativ – helfen, danken, gehören, gefallen, antworten – weil bei ihnen immer jemand etwas empfängt: Hilfe, Dank, ein Geschenk, ein Gefallen. Und manche Präpositionen entscheiden allein: mit, nach, aus, seit nehmen den Dativ, für, durch, um, ohne den Akkusativ.

Warum ist die Tabelle kleiner, als sie aussieht?

Nominativ Akkusativ (wen?) Dativ (wem?)
männlich der Hund den Hund dem Hund
weiblich die Lehrerin die Lehrerin der Lehrerin
sächlich das Kind das Kind dem Kind
Plural die Kinder die Kinder den Kindern

Zähl die neuen Wörter: den, dem, der, dem, den – und genau zwei davon sind wirklich neu, den und dem. Der kennst du schon, es wechselt nur die Rolle: im Nominativ männlich, im Dativ weiblich. Wer wem oder wen fragen kann, hat die ganze Tabelle in zwei Wörtern.

Dieselben zwei Fragen funktionieren auch beim unbestimmten Artikel – siehe Dativ und Akkusativ – Unbestimmter Artikel einfach erklärt.

Der Merksatz

Wen? trifft – und nur der Mann wird den. Wem? bekommt – und alle wechseln: dem, der, dem, den + n.

Das passt auf einen Zettel, direkt unter den Merksatz zum Akkusativ.

Beispiele, die hängen bleiben

  • Ich sehe den Hund, aber der Hund sieht nur den Kuchen. (wen? – Akkusativ)
  • Wir kaufen die Pizza für Oma, aber Opa isst sie zuerst. (wen oder was? – Akkusativ, weiblich bleibt)
  • Der kleine Ball gehört dem Baby, aber der Hund weiß das nicht. (wem? – Dativ)
  • Die Musik gefällt den Kindern, die Nachbarn finden sie zu laut. (wem? – Dativ Plural, mit -n)
  • Ich fahre mit dem Bus, denn mein Fahrrad ist noch müde. (mit + Dativ)
  • Der große Kuchen ist für den Opa, ein kleines Stück für mich. (für + Akkusativ)
  • Ohne die Brille sieht Opa die Katze und sagt: Hallo, Hund! (ohne + Akkusativ)
  • Mein Opa tanzt mit der Katze durch die Küche. (mit + Dativ, weiblich)

Übungen: wem oder wen?

Setz den bestimmten Artikel ein. Stell erst die Frage, dann wähl die Form. Die Lösungen stehen darunter.

  1. Ich brauche ___ Fahrrad heute, denn der Bus ist zu langsam.
  2. Das Kind antwortet ___ Oma immer mit einem Lied.
  3. Papa sucht ___ Schuhe, und sie stehen direkt vor ihm.
  4. Aus ___ Fenster sehe ich jeden Morgen die Katze vom Nachbarn.
  5. Die bunten Socken gehören ___ Kindern, nicht dem Papa.

Lösungen: 1. das (wen oder was? – Akkusativ, sächlich bleibt) · 2. der (wem? – antworten + Dativ, weiblich) · 3. die (wen oder was? – Akkusativ Plural bleibt) · 4. dem (aus + Dativ, sächlich) · 5. den (gehören + Dativ Plural, das Nomen bekommt sein -n)

Häufige Fragen zu wem oder wen

Wie unterscheide ich Dativ und Akkusativ?
Mit der Frage: wen oder was? → Akkusativ, wem? → Dativ. Der Akkusativ ist das Ziel der Handlung, der Dativ der Empfänger.

Welche Artikel ändern sich im Dativ?
Alle: der → dem, die → der, das → dem, Plural die → den – und das Nomen im Plural bekommt ein -n (den Kindern, den Schuhen).

Welche Verben brauchen den Dativ?
Die häufigsten: helfen, danken, gehören, gefallen, antworten, folgen. Bei ihnen empfängt immer jemand etwas.

Welche Präpositionen brauchen den Dativ, welche den Akkusativ?
Dativ immer: mit, nach, aus, seit, von, zu, bei. Akkusativ immer: für, durch, um, ohne, gegen.

Was „bei“ alles ausdrücken kann – Ort, Zeit, Bedingung –, zeigt Die Präposition „bei“.

Zwei Türen, die offen bleiben

Die erste: die Pronomen. Ich sehe ihn – ich helfe ihm. Die Pronomen machen dasselbe Spiel, mit eigenen Formen. Ein eigenes Kapitel.

Für „mich“ und „mir“ gibt es schon eine kurze Erklärung: „Mich“ und „mir“?

Die zweite: Verben mit zwei Objekten. Ich gebe dem Kind den Apfel – Dativ und Akkusativ im selben Satz, und die Reihenfolge ist nicht egal. Wer die beiden Fälle nebeneinander sehen will: Akkusativ vs. Dativ einfach erklärt und Der Gebrauch von Dativ und Akkusativ.

Und damit es sitzt: Auf unserem Telegram-Kanal Trau-Dich-Deutsch läuft jeden Tag eine kleine Frage – ein Satz, eine Lücke, drei Sekunden.

Komm dazu

Der Workshop findet jeden Samstag um 9:00 Uhr online statt – kostenlos, interaktiv, und mit genau dieser Art von Fragen. Kein Frontalunterricht: Die Regel kommt immer erst, wenn die Teilnehmer sie selbst gefunden haben.

Bis bald – und trau dich, Deutsch zu sprechen!

von Dieter Jeromin

Lies auch: „Mich oder mir?“ – die Frage, die das Verb schon beantwortet hat · „Dir“ oder „dich“? · „Der, die oder das?“ – warum die Endung oft mehr weiß als du

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