
Verben mit Dativ und Akkusativ – drei Sätze, die du so oder so ähnlich jede Woche sagst:
Oma schenkt mir zum Geburtstag ein rotes Fahrrad.
Ich zeige meiner Oma die Fotos von unserem Urlaub am Meer.
Kannst du mir bitte den Schlüssel für das Auto geben?
Dreimal zwei Objekte im selben Satz: jemand, der etwas bekommt – und etwas, das den Besitzer wechselt. Beide Rollen kennst du schon einzeln. Heute treten sie zum ersten Mal zusammen auf.
Kurz gesagt: Verben mit Dativ und Akkusativ sind Verben wie geben, schenken, zeigen, bringen, erklären, leihen, schicken: Jemand gibt jemandem etwas. Die Person, die etwas bekommt, steht im Dativ (wem? – meiner Oma, ihm, dem Kind). Die Sache, die wandert, steht im Akkusativ (was? – den Schlüssel, ein Foto, die Regel). Der ganze Satz folgt einem Bauplan: wer – gibt – wem – was.
Verben mit Dativ und Akkusativ: die Person bekommt, die Sache wandert
Ein Verb mit Dativ und Akkusativ ist ein Verb, das zwei Objekte um sich sammelt. Das klingt nach mehr Arbeit, ist aber weniger. Bei helfen musstest du wissen, dass es den Dativ will. Hier musst du nichts auswendig wissen. Du schaust nur hin: Wer bekommt? Was wandert?
Papa bringt meiner Mutter jeden Morgen einen Kaffee ans Bett. Meine Mutter bekommt – Dativ. Der Kaffee wandert – Akkusativ. Der Hund bringt meinem Vater jeden Morgen die Zeitung, ganz stolz. Mein Vater bekommt – Dativ. Die Zeitung wandert – Akkusativ, mit Hund.
Das ist die ganze Entdeckung. Die Endungen dafür kennst du bereits: dem, der, dem, den für den Empfänger, den, die, das, die für die Sache – dieselben zwei Zeilen wie bei wem oder wen.
Welche Verben mit Dativ und Akkusativ brauchst du im Alltag?
Eine Handvoll reicht für den Anfang, und sie kommen ständig vor. Alle beschreiben dieselbe kleine Szene: Etwas geht von einer Person zu einer anderen.
- geben: Gibst du mir bitte das Salz? Die Suppe ist ein bisschen langweilig.
- schenken: Schenkst du dem Baby wirklich eine Gitarre? Es ist erst zwei!
- zeigen: Mein Sohn zeigt dem Opa sein Zimmer, heute ist es sogar sauber.
- bringen: Die Kinder bringen der Lehrerin eine Blume aus dem Garten, mit viel Erde.
- erklären: Die Lehrerin erklärt ihm die Regel noch einmal, ganz langsam.
- leihen: Ich leihe meinem Chef meinen Schirm, er ist rosa mit Herzen.
- schicken: Wir schicken der Oma ein Video, sie hat jetzt auch WhatsApp.
- empfehlen: Der Kellner empfiehlt uns die Suppe, aber wir wollen alle Pizza.
Was leihen von mieten unterscheidet – nämlich das Geld –, steht in Mieten oder leihen.
Wie erkennst du, wer bekommt und was wandert?
Zwei Fragen an den Satz, in dieser Reihenfolge:
- Wem? – die Person, die etwas bekommt, sieht oder versteht. Sie steht im Dativ: meiner Mutter, dem Opa, ihm, ihr, uns.
- Was? – die Sache, die gegeben, gezeigt, gebracht oder erklärt wird. Sie steht im Akkusativ: den Schlüssel, das Salz, eine Postkarte, die Regel.
Die Person ist fast immer ein Mensch (oder ein Hund mit Apfel), die Sache fast immer ein Ding. Deshalb ist der Fehler selten, sobald man hinschaut: Ich zeige den Opa das Zimmer – nein. Der Opa bekommt etwas gezeigt, also dem Opa.
Und die Reihenfolge? Wenn beide Objekte Nomen sind, steht der Dativ vor dem Akkusativ: Ich zeige meiner Oma die Fotos. Erst wer bekommt, dann was wandert – genau wie im Bauplan. Nur wenn die Sache ein Pronomen ist (es, ihn, sie), springt sie nach vorn: Ich zeige sie ihr. Das ist die eine Ausnahme, und sie bekommt ein eigenes Kapitel.
Der Merksatz
Wer gibt wem was? Die Person bekommt – Dativ. Die Sache wandert – Akkusativ. Erst wem, dann was.
Das ist die Karte für den Kühlschrank. Verben mit Dativ und Akkusativ sind damit kein neues Kapitel über Endungen – sie sind der Satz, in dem die Endungen der letzten Wochen zum ersten Mal zusammen arbeiten.
Beispiele für Verben mit Dativ und Akkusativ, die hängen bleiben
- Ich leihe meinem Bruder mein Auto, aber nur bis Sonntag. (wem? meinem Bruder – was? mein Auto)
- Wir schicken der Nachbarin eine Postkarte aus Berlin, mit einem Bären. (wem? der Nachbarin – was? eine Postkarte)
- Mein Onkel leiht mir seinen Hut, er ist älter als ich. (wem? mir – was? seinen Hut)
- Mama gibt dem Hund einen Apfel, aber er will nur Käse. (wem? dem Hund – was? einen Apfel)
- Die Verkäuferin empfiehlt meiner Frau den grünen Pullover, sie kauft den roten. (wem? meiner Frau – was? den grünen Pullover)
- Ich erkläre meinem Opa das neue Handy, aber er ist schneller als ich. (wem? meinem Opa – was? das neue Handy)
Übungen: Verben mit Dativ und Akkusativ
- Oma schenkt ___ zum Geburtstag ein rotes Fahrrad. (ich)
- Ich zeige meiner Oma ___ von unserem Urlaub am Meer. (die Fotos)
- Erklärst du ___ das Spiel? Sie fragt schon zum dritten Mal. (sie)
- Zeigst du mir bitte ___ zum Bahnhof? Ich bin neu hier. (der Weg)
- Ich schicke meiner Schwester ___: Die Katze schläft im Waschbecken. (ein Foto)
Lösungen: 1. mir (wem? – Dativ) · 2. die Fotos (was? – Akkusativ, Plural bleibt) · 3. ihr (wem? – Dativ) · 4. den Weg (was? – Akkusativ, männlich) · 5. ein Foto (was? – Akkusativ, sächlich bleibt)
Häufige Fragen zu Verben mit Dativ und Akkusativ
Welches Objekt steht im Dativ, welches im Akkusativ?
Die Person, die etwas bekommt, steht im Dativ (wem?), die Sache, die wandert, im Akkusativ (was?): Ich gebe dem Kind den Apfel.
Welche Verben haben Dativ und Akkusativ?
Die häufigsten: geben, schenken, zeigen, bringen, erklären, leihen, schicken, kaufen, empfehlen. Alle beschreiben, dass etwas von einer Person zu einer anderen geht.
Zwei Türen, die offen bleiben
Die erste: zwei Pronomen im selben Satz. Ich gebe ihn ihr – sind beide Objekte Pronomen, dreht sich die Reihenfolge: Akkusativ zuerst. Ein eigenes Kapitel.
Die zweite: Verben, die nur den Dativ wollen. Helfen, danken, gefallen, gehören – bei ihnen gibt es keine Sache, die wandert, nur jemanden, dem etwas gilt. Wie sich das bei mich und mir anhört, liest du in mich oder mir; wie der Besitzer in den Satz kommt, in meinen oder meinem.
Und damit es sitzt: Auf unserem Telegram-Kanal Trau-Dich-Deutsch läuft jeden Tag eine kleine Frage – ein Satz, eine Lücke, drei Sekunden.
Komm dazu
Der Workshop findet jeden Samstag um 9:00 Uhr online statt – kostenlos, interaktiv, und mit genau dieser Art von Fragen. Kein Frontalunterricht: Die Regel kommt immer erst, wenn die Teilnehmer sie selbst gefunden haben.
Bis bald – und trau dich, Deutsch zu sprechen!
von Dieter Jeromin