Konjugation von möchten und mögen – drei Sätze, zwei Wünsche und ein Geschmack:
Ich möchte bitte einen Kaffee mit viel Milch.
Möchtest du noch ein Stück Kuchen, liebe Oma?
Meine Katze mag das neue rote Sofa gar nicht.

Möchte – möchtest – mag. Zwei Dinge fallen auf. Bei möchte bleiben die Punkte immer, bei mag sind sie plötzlich weg. Und ich möchte endet auf -e – ganz anders als ich kann oder ich darf.

Kurz gesagt: Die Konjugation von möchten ist ganz regelmäßig: ich möchte, du möchtest, er möchte, wir möchten, ihr möchtet, sie möchten – die Punkte bleiben in jeder Form. Möchten drückt einen Wunsch aus: Ich möchte heißt „ich hätte gern“. Mögen bedeutet gern haben und ändert sich wie die anderen Modalverben: im Singular ohne Punkte (ich mag, du magst, er mag), im Plural mit Punkten (wir mögen, ihr mögt, sie mögen). Eine Form „mögte“ gibt es nicht.

Eine Hand stellt einen Milchkaffee neben ein Stück Kuchen, hinten sitzt eine Katze abgewandt vor dem neuen roten Sofa – Konjugation von möchten und mögen: ich möchte einen Kaffee, die Katze mag das Sofa nicht

Konjugation von möchten: warum bleiben die Punkte?

Weil möchte eigentlich eine weiche, höfliche Form von mögen ist, die ihre Punkte nie verloren hat. Sie endet bei ich und bei er, sie, es auf -e, und sonst hat sie die ganz normalen Endungen. Mögen dagegen benimmt sich wie fast alle Modalverben: Im Singular ändert es seinen Vokal, im Plural kehrt es zum Infinitiv zurück.

möchten – der Wunsch mögen – der Geschmack
ich möchte mag
du möchtest magst
er, sie, es möchte mag
wir möchten mögen
ihr möchtet mögt
sie, Sie möchten mögen

Schau dir die rechte Spalte an: ich mag und er mag sind gleich – keine Endung, keine Punkte. Genau so ist es bei ich kann, er kann oder ich darf, er darf. Wer das Muster einmal gesehen hat, erkennt es überall: bei können, bei dürfen und in der großen Tabelle aller Modalverben.

Wo steht das zweite Verb?

Am Ende. Möchten steht an Position zwei und hält den Platz, das zweite Verb kommt im Infinitiv ganz nach hinten:

Der Hund möchte jetzt sofort in den Park gehen.
Wir möchten heute Abend Pizza mit extra Käse essen.

Oft braucht möchten gar kein zweites Verb – dann folgt einfach das, was man haben will: Meine kleine Schwester möchte ein Pferd zum Geburtstag. Und mögen steht im Alltag fast immer mit einem Nomen: Ich mag Kaffee. Wie Modalverb und Infinitiv sonst zusammenarbeiten, zeigt dieser Artikel über Modalverben mit Infinitiv.

In der Frage steht das Verb ganz vorn: Möchten Sie den Tee mit Zucker oder mit Zitrone? Noch mehr höfliche Formen findest du in Kannst du oder könntest du?.

Möchten oder mögen: Wunsch oder Geschmack?

Die beiden Verben sehen verwandt aus, aber sie antworten auf verschiedene Fragen.

  • Ich möchte einen Kaffee. → ein Wunsch, jetzt, an der Theke.
  • Ich mag Kaffee. → ein Geschmack, immer, auch morgen noch.

Wer im Café „Ich mag einen Kaffee“ sagt, hat also noch nichts bestellt. Den Unterschied mit vielen weiteren Beispielen erklärt unser Artikel darüber, wann du welches Verb nimmst. Und wer wissen will, warum ich möchte netter klingt als ich will: Das direktere „wollen“.

Der Merksatz

Möchten heißt: Ich hätte gern. Die Punkte bleiben immer: ich möchte, wir möchten. Mögen heißt: Ich habe gern. Allein ohne Punkte, zusammen mit Punkten: ich mag, wir mögen. Und „mögte“ gibt es nicht.

Fünf Zeilen für den Kühlschrank – gleich neben dem Zettel, wer heute noch ein Stück Kuchen möchte.

Beispiele zur Konjugation von möchten, die hängen bleiben

  • Das Baby möchte jetzt nicht schlafen, nur spielen. (es – mit -e, Wunsch)
  • Ich möchte heute nur im Bett bleiben und lesen. (ich – mit -e)
  • Du möchtest wirklich drei Kugeln Eis vor dem Essen? (du – mit -st)
  • Wir möchten bitte zwei Tickets für den Zug nach Berlin. (wir – Wunsch ohne zweites Verb)
  • Ich mag Kaffee, aber nur mit sehr viel Zucker. (ich – Geschmack, keine Punkte)
  • Unser Hund mag den Postboten, der Postbote unseren Hund nicht. (er – keine Endung)
  • Mögen Sie auch Schokolade so gern wie ich? (Sie – höflich, mit Punkten)

Übungen: Konjugation von möchten und mögen

Setz möchten oder mögen in der richtigen Form ein. Erst fragen: Wunsch oder Geschmack? Dann die Person. Die Lösungen stehen darunter.

  1. Meine Eltern ___ im Sommer nach Italien fahren.
  2. Ihr ___ sicher auch ein Stück von der Torte, oder?
  3. Du ___ doch keinen Fisch, warum bestellst du Sushi?
  4. ___ ihr lieber den Sommer oder den Winter?
  5. Oma ___ ihren Garten mehr als den Fernseher.

Lösungen: 1. möchten (Wunsch – meine Eltern = sie, Plural) · 2. möchtet (Wunsch – ihr) · 3. magst (Geschmack – du, ohne Punkte) · 4. Mögt (Geschmack – ihr, mit Punkten) · 5. mag (Geschmack – Oma = sie, keine Endung)

Häufige Fragen zur Konjugation von möchten

Heißt es „ich möchte“ oder „ich mögte“?
Ich möchte – mit ch. „Mögte“ ist der häufigste Fehler, denn es klingt fast gleich. Es gibt nur möchte (Wunsch) und mag (Geschmack).

Ist möchten ein eigenes Verb?
Ursprünglich ist möchte eine Form von mögen. Heute benutzt man es im Präsens wie ein eigenes Modalverb. Für die Vergangenheit nimmt man meistens wollen: Ich wollte einen Kaffee.

Was ist höflicher: „ich will“ oder „ich möchte“?
Ich möchte. Beim Bäcker sagt man: Ich möchte zwei Brötchen, bitte. Ich will klingt sehr direkt. Noch etwas weicher ist Ich hätte gern …

Wer alle Modalverben auf einen Blick sehen möchte, findet sie in unserer Übersicht. Und damit es sitzt: Auf unserem Telegram-Kanal Trau-Dich-Deutsch läuft jeden Tag eine kleine Frage – ein Satz, eine Lücke, drei Sekunden.

Komm dazu

Der Workshop findet jeden Samstag um 9:00 Uhr online statt – kostenlos, interaktiv, und mit genau dieser Art von Fragen. Kein Frontalunterricht: Die Regel kommt immer erst, wenn die Teilnehmer sie selbst gefunden haben.

Bis bald – und trau dich, Deutsch zu sprechen!

von Dieter Jeromin

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