Oma läuft am Morgen um den Garten, auf der Terrasse liegt ein leerer Pizzakarton – Perfekt mit haben oder sein: ist gelaufen, hat gegessen

Perfekt mit haben oder sein – drei Sätze von gestern und heute Morgen:
Oma ist heute Morgen dreimal um den Garten gelaufen.
Wir haben gestern eine Pizza für sechs Personen gegessen, nur wir zwei.
Die Katze ist um drei Uhr nachts zu mir ins Bett gekommen.

In jedem Satz tragen zwei Wörter die Vergangenheit: eins vorn, eins ganz hinten. Und vorn steht einmal haben, zweimal sein. Warum? Oma läuft los. Die Katze kommt ins Bett. Und die Pizza? Die geht nirgendwohin. Sie wird nur kleiner.

Kurz gesagt: Das Perfekt ist die Vergangenheit, die man auf Deutsch spricht: Ich habe gegessen, ich bin gelaufen. Es hat zwei Teile: haben oder sein an Position 2 und das Partizip II (gegessen, gelaufen) am Ende des Satzes. Die meisten Verben nehmen haben. Sein nehmen die Verben, die eine Bewegung von A nach B oder eine Veränderung zeigen – gehen, fahren, kommen, laufen, aufstehen, einschlafen – und dazu bleiben und sein.

Perfekt mit haben oder sein: zwei Teile und ein Rahmen

Das Perfekt ist die Zeitform, mit der man im Alltag von gestern erzählt. Es ist gebaut wie ein Rahmen. Vorn, an Position 2, steht haben oder sein. Ganz hinten steht das Partizip. Dazwischen passt die ganze Geschichte.

Mein Bruder hat seinen Schlüssel im Kühlschrank gefunden.

Das Gute daran: Nur das vordere Wort ändert sich mit der Person – ich habe, du hast, wir haben. Das Partizip hinten bleibt immer gleich. Ich habe gegessen, sie haben gegessen, ihr habt gegessen.

Wie baust du das Partizip?

Zwei Muster reichen für den Anfang:

Verb Partizip II Muster
machen gemacht ge- … -t
kaufen gekauft ge- … -t
essen gegessen ge- … -en
trinken getrunken ge- … -en, neuer Vokal

Die meisten Verben nehmen ge- … -t. Endet das Partizip auf -en, ändert sich oft auch der Vokal: trinken – getrunken, finden – gefunden. Diese Verben lernst du am besten mit dem Ohr, einen Satz nach dem anderen. Getrinkt klingt nach wenigen Wochen einfach falsch.

Wann steht das Perfekt mit haben oder sein?

Eine Frage genügt: Geht jemand von A nach B, oder ist danach etwas anders?

  • Ja → sein. Meine Eltern sind ins Kino gegangen. (von hier nach dort) Ich bin um sechs aufgestanden. (erst im Bett, dann auf den Beinen) Das Baby ist sofort eingeschlafen. (erst wach, dann im Schlaf)
  • Nein → haben. Die Kinder haben im Park Fußball gespielt. Viel Bewegung, aber niemand geht von A nach B. Unser Nachbar hat unter der Dusche gesungen. Er steht immer noch unter der Dusche.

Dazu kommen zwei Wörter, die du einfach auswendig nimmst: bleiben und sein. Meine Tante ist drei Wochen geblieben. Ich bin schon in Berlin gewesen.

Noch ein Trick: Hat der Satz ein Objekt im Akkusativ – eine Pizza, den Schlüssel, einen Kuchen –, dann steht fast immer haben. Und wenn du unsicher bist, schau ins Wörterbuch: Beim Eintrag laufen im DWDS steht die Form gleich oben – ist gelaufen.

Diese Regel begleitet dich übrigens lange. Später entscheidet sie auch zwischen hätte und wäre – mit genau derselben Frage.

Der Merksatz

Haben oder sein nach vorn, das Partizip nach hinten. Wer von A nach B geht oder sich verändert, nimmt sein. Alle anderen haben.

Das ist die Karte für den Kühlschrank: erst das Hilfsverb, dann das Partizip ans Ende.

Beispiele für das Perfekt mit haben oder sein

  • Mein Bruder hat seinen Schlüssel im Kühlschrank gefunden. (finden – kein A nach B → haben)
  • Meine Tante ist zum Kaffee gekommen und drei Wochen geblieben. (kommen, bleiben → sein)
  • Unser Nachbar hat gestern Abend unter der Dusche laut gesungen. (singen → haben)
  • Ich bin am Sonntag um sechs Uhr aufgestanden, ohne Wecker. (Veränderung → sein)
  • Das Baby ist im Auto sofort eingeschlafen, und Papa auch. (Veränderung → sein)
  • Herr Meier ist heute im Schlafanzug zum Bäcker gegangen. (von zu Hause zum Bäcker → sein)

Übungen: Perfekt mit haben oder sein

Erst das Hilfsverb, dann das Partizip. Die Lösungen stehen darunter.

  1. ___ du am Sonntag wirklich bis zwölf Uhr geschlafen? (haben oder sein)
  2. ___ ihr wirklich mit dem Fahrrad nach Italien gefahren? (haben oder sein)
  3. Ich ___ am Samstag zum ersten Mal allein einen Kuchen gebacken. (haben oder sein)
  4. Ich habe drei Tassen Kaffee ___ und bin immer noch müde. (trinken)
  5. Wir sind mit einem kleinen Flugzeug über die Berge ___. (fliegen)

Lösungen: 1. Hast (schlafen – niemand geht irgendwohin → haben) · 2. Seid (von hier nach Italien → sein) · 3. habe (backen, mit Akkusativ einen Kuchen → haben) · 4. getrunken (ge- … -en, neuer Vokal) · 5. geflogen (ge- … -en, neuer Vokal)

Häufige Fragen zum Perfekt mit haben oder sein

Wann nimmt man im Perfekt sein statt haben?
Das Perfekt nimmt sein, wenn das Verb eine Bewegung von A nach B zeigt (gehen, fahren, kommen, fliegen) oder eine Veränderung (aufstehen, einschlafen, aufwachen). Dazu kommen bleiben und sein. Alle anderen Verben nehmen haben.

Kann ein Verb im Perfekt haben und sein nehmen?
Ja, manche. Ich bin nach Berlin gefahren – ich gehe von A nach B. Ich habe das Auto in die Garage gefahren – das Auto ist ein Akkusativ-Objekt, also haben.

Warum heißt es „ich habe geschlafen“, aber „ich bin eingeschlafen“?
Beim Schlafen bleibt alles, wie es ist – also haben. Beim Einschlafen ändert sich etwas: erst wach, dann im Schlaf – also sein.

Zwei Türen, die offen bleiben

Die erste: Verben mit Vorsilbe. Angerufen, eingeschlafen – hier sitzt das ge in der Mitte. Warum, liest du bei den trennbaren Verben.

Die zweite: das Präteritum. Bei sein und haben sagen die meisten Leute auch im Gespräch lieber war und hatte. Wann welche Vergangenheit passt, steht in Präteritum oder Perfekt?

Wer das Perfekt noch einmal Schritt für Schritt lesen möchte: Das Perfekt im Deutschen verstehen. Und damit es sitzt: Auf unserem Telegram-Kanal Trau-Dich-Deutsch läuft jeden Tag eine kleine Frage – ein Satz, eine Lücke, drei Sekunden.

Komm dazu

Der Workshop findet jeden Samstag um 9:00 Uhr online statt – kostenlos, interaktiv, und mit genau dieser Art von Fragen. Kein Frontalunterricht: Die Regel kommt immer erst, wenn die Teilnehmer sie selbst gefunden haben.

Bis bald – und trau dich, Deutsch zu sprechen!

von Dieter Jeromin

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