Zusammengesetzte Nomen – drei Sätze, drei lange Wörter:
Die Haustür ist blau, und unsere Katze wartet schon davor.
Der Blumentopf steht am Fenster, und die Katze schläft direkt daneben.
Das Wochenende ist kurz, aber der Montag ist immer sehr lang.
Das Haus – aber die Haustür. Die Blume – aber der Blumentopf. Die Woche – aber das Wochenende. Das erste Wort hatte seinen Artikel schon, und trotzdem hat es verloren. Warum?
Kurz gesagt: Ein zusammengesetztes Nomen (ein Kompositum) ist ein Nomen aus zwei oder mehr Wörtern: Haus + Tür = Haustür. Das letzte Wort ist das Grundwort. Es bestimmt den Artikel und sagt, was das Ding ist: Die Haustür ist eine Tür, darum die. Die Wörter davor sagen nur, welche Sorte: eine Tür am Haus.

Zusammengesetzte Nomen: welches Wort ist der Chef?
Immer das letzte. Es heißt Grundwort, weil es die Grundlage ist: Die Kaffeetasse ist eine Tasse, der Autoschlüssel ist ein Schlüssel, das Wochenende ist ein Ende. Das Wort davor heißt Bestimmungswort – es bestimmt nur genauer, welche Tasse, welcher Schlüssel, welches Ende.
| Bestimmungswort (welche Sorte?) | Grundwort (was ist es?) | zusammen |
|---|---|---|
| das Haus | die Tür | die Haustür |
| die Blume | der Topf | der Blumentopf |
| die Woche | das Ende | das Wochenende |
| der Kaffee | die Tasse | die Kaffeetasse |
| das Auto | der Schlüssel | der Autoschlüssel |
Schau nur auf die zweite und die dritte Spalte: Der Artikel wandert von hinten nach ganz vorn. Das erste Wort gibt seinen Artikel ab und hat nichts mehr zu sagen.
Und woher kennst du den Artikel des letzten Wortes? Oft verrät ihn schon die Endung – das steht in Der, die oder das? – warum die Endung oft mehr weiß als du. Mehr über das Geschlecht der Nomen findest du in Das grammatische Geschlecht.
Zusammengesetzte Nomen: was passiert, wenn du die Wörter umdrehst?
Dann bekommst du ein anderes Ding. Der Blumentopf ist ein Topf für Blumen. Die Topfblume ist eine Blume im Topf. Dieselben zwei Wörter, aber ein anderer Chef – und darum ein anderer Artikel und eine andere Bedeutung.
Das ist der beste Test: Frag das Wort von hinten. Kühlschrank? – ein Schrank, der kühl ist. Fahrkarte? – eine Karte zum Fahren. Spielplatz? – ein Platz zum Spielen. Wenn deine Antwort mit dem letzten Wort anfängt, hast du den Chef gefunden. Vorn kann übrigens auch ein Adjektiv (kühl) oder ein Verb (fahren, spielen) stehen – hinten steht immer ein Nomen.
Wo kommt das s in Geburtstagskuchen her?
Manchmal steht zwischen den Wörtern ein kleiner Kleber: ein s oder ein n. Geburtstag + s + Kuchen = Geburtstagskuchen. Sonne + n + Brille = Sonnenbrille. Orange + n + Saft = Orangensaft. Arbeit + s + Zimmer = Arbeitszimmer. Oft gibt es gar keinen Kleber: Regenschirm, Spielplatz, Handynummer. Und manchmal fällt ein Buchstabe weg: Erdbeere + Eis = Erdbeereis.
Auf A1 musst du dafür keine Regel lernen. Lern die Wörter als Ganzes – dein Ohr merkt sich den Kleber schneller als dein Kopf. Auf den Artikel hat der Kleber keinen Einfluss: Der Chef bleibt hinten.
Der Merksatz
Das letzte Wort ist der Chef: Es gibt den Artikel und sagt, was es ist. Die Wörter davor sagen nur, welche Sorte.
Das passt auf einen Zettel, und der Zettel passt an die Kühlschranktür – ein Wort, dessen Chef du jetzt schon kennst.
Zusammengesetzte Nomen in Beispielen, die hängen bleiben
- Das Arbeitszimmer von Papa ist eigentlich nur ein Schrank mit Fenster. (das Zimmer – nicht die Arbeit)
- Die Bushaltestelle ist direkt vor dem Haus, aber der Bus kommt nie. (die Stelle – drei Wörter, der Chef steht trotzdem hinten)
- Der Küchentisch ist klein, aber alle acht Gäste finden Platz. (der Tisch – nicht die Küche)
- Das Butterbrot ist für Papa, aber der Hund ist schneller. (das Brot – nicht die Butter)
- Die Zahnbürste ist rosa, und Opa findet das jetzt ganz normal. (die Bürste – nicht der Zahn)
- Im Kühlschrank steht nur noch ein Joghurt, ganz allein. (kühl + der Schrank)
- Papa trägt seine Sonnenbrille auch im Kino, das finden wir lustig. (Sonne + n + die Brille)
Übungen: zusammengesetzte Nomen und ihr Artikel
Welcher Artikel passt – oder welches Wort? Erst das letzte Wort suchen, dann entscheiden. Die Lösungen stehen darunter.
- ___ Winterjacke ist dick, und im Bus ist es viel zu warm. (der / die / das)
- ___ Autoschlüssel liegt im Bett. Warum? Das weiß niemand. (der / die / das)
- ___ Wasserflasche ist leer, und der Weg zum Bahnhof ist noch weit. (der / die / das)
- Mama backt einen ___ mit fünf Kerzen und viel Schokolade. (Geburtstag + Kuchen)
- Lea isst ihr ___ langsam, aber die Sonne ist schneller. (Erdbeere + Eis)
Lösungen: 1. Die (die Jacke – nicht der Winter) · 2. Der (der Schlüssel – nicht das Auto) · 3. Die (die Flasche – nicht das Wasser) · 4. Geburtstagskuchen (mit Kleber-s) · 5. Erdbeereis (das End-e fällt weg)
Häufige Fragen zum Thema zusammengesetzte Nomen
Welcher Artikel gilt bei einem zusammengesetzten Nomen?
Immer der Artikel des letzten Wortes: die Tür → die Haustür, der Topf → der Blumentopf, das Ende → das Wochenende. Das erste Wort spielt für den Artikel keine Rolle.
Wie bildet man den Plural?
Auch der Plural kommt vom letzten Wort: die Töpfe → die Blumentöpfe, die Türen → die Haustüren.
Schreibt man zusammengesetzte Nomen zusammen?
Ja, als ein Wort, und nur der erste Buchstabe ist groß: die Haustür, nicht die Haus Tür und nicht die HausTür. Ein Bindestrich kommt nur bei sehr langen Wörtern oder bei Abkürzungen: die E-Mail-Adresse.
Ein schönes Beispiel, bei dem das erste Wort sogar im Plural steht, ist das Wörterbuch – ein Buch mit Wörtern, nicht mit Worten. Warum das so ist, erzählt Wörter oder Worte?, und wie der Plural überhaupt entsteht, zeigt Pluralbildung im Deutschen. Und damit es sitzt: Auf unserem Telegram-Kanal Trau-Dich-Deutsch läuft jeden Tag eine kleine Frage – ein Satz, eine Lücke, drei Sekunden.
Komm dazu
Der Workshop findet jeden Samstag um 9:00 Uhr online statt – kostenlos, interaktiv, und mit genau dieser Art von Fragen. Kein Frontalunterricht: Die Regel kommt immer erst, wenn die Teilnehmer sie selbst gefunden haben.
Bis bald – und trau dich, Deutsch zu sprechen!
von Dieter Jeromin